Biofeedback ist ein modernes, wissenschaftlich fundiertes Trainingsverfahren physiologischer Parameter.

Biofeedback in der Ergotherapie

Ein modernes, wissenschaftlich fundiertes Verfahren aus der Schulmedizin

Biofeedback Erklärung

Was ist Biofeedback?

 

Biofeedback ist ein modernes, wissenschaftlich fundiertes Trainingsverfahren physiologischer Parameter.

Mithilfe von Messgeräten und einem Computer oder Smartphone werden Körperprozesse, die nicht oder kaum wahrgenommen werden, rückgemeldet und damit sichtbar gemacht. Dadurch kann der Anwender die Möglichkeit erlangen, im Sinne einer Prävention oder einer Therapie auf bestimmte Werte Einfluss zu nehmen. Bereiche eines Biofeedback-Trainings können z.B. die Muskelspannung, der Puls, oder die Atmung sein. Aber auch die Temperatur oder der Hautleitwert, wie man es bei Lügendetektoren aus guten Krimis kennt, können gemessen werden.

Wird die Hirnaktivität gemessen und rückgemeldet, spricht man von Neurofeedback.

Der Trainer kann im Biofeedbackverfahren anhand dieser Messparameter seinem Klienten eine detailliertere Rückmeldung geben. Heutzutage gibt es aber auch Trainingsprogramme, die selbständig verwendet werden können oder nur eine einmalige Einweisung benötigen. Dank neuer Technologien können diese teilweise sehr handlich und simpel Zuhause durchgeführt werden.

 

Biofeedback

 


Wie funktioniert Biofeedback?

 

Das erste Ziel von Biofeedback besteht darin, bestimmte Körperparameter bewusst zu machen. Diese werden über Grafiken visualisiert oder über Töne akustisch wahrnehmbar und direkt erfahrbar gemacht. Von Blinken, Piepsen, Summen, über das Abbilden eines Graphen bis zur simplen Tabelle sind verschiedene Darstellungen möglich, um bspw. einen außerhalb der Normwerte liegenden Blutdruck anzuzeigen. Besonders für Biofeedback-Training eignen sich Varianten, die leicht verständlich sind (farbiges Licht, Töne), wohingegen die Tabelle oder der Graph besonders gut für die Analyse ist. Tabellen und Graphen werden auch in einer professionellen Therapie verwendet.

Die unmittelbare Erfahrbarmachung bestimmter Parameter entspricht der ersten Stufe des Biofeedbacks. Die Geräte und Sensoren, die rein technische Komponente, kann man sich hier als Vermittler zwischen zweier Welten vorstellen, dem willentlichen und dem unbewussten Geschehen. Durch diese Übersetzung kann die willentliche Beeinflussung der Parameter erst stattfinden.


Physiologische Parameter des Biofeedbacks

 

Typische Messwerte, die für eine Übersetzung in graphische oder akustische Signale für Biofeedback-Verfahren genutzt werden, sind unter anderem:

  • Hautleitfähigkeit
  • Hauttemperatur
  • Puls und Herzratenvariabilität
  • Muskelspannung
  • Atmung

Eine ausführlichere Auflistung finden Sie unter dem Punkt: Biofeedback Parameter.

 

Was ist Biofeedback-Training?

 

Biofeedback geht über die Bewusstmachung relevanter Körperparameter hinaus. Bestimmte Körperfunktionen, die normalerweise vegetativ reguliert werden und nicht dem Willen unterliegen, können bewusst beeinflusst werden – dazu wird operantes Konditionieren eingesetzt, oder auch ein Biofeedback-Training. Eine Software wertet dazu die gemessenen Parameter aus und bewertet die Veränderungen. Sind diese in einer positiven Weise, gibt es eine Belohnung (z.B. ein Film läuft weiter, ein Ton wird abgespielt), verändern sich die Werte negativ, gibt es keine Belohnung (z.B. eine Animation hält an, eine Musik stoppt). Auf diese Weise lernt unser Bewusstsein, welche Veränderungen gewünscht und welche unerwünscht sind, und der Körper passt sich mit der Zeit an.

Als Endziel des Biofeedback-Trainings kann für den Anwender somit Entspannung, der Abbau von Migräne oder das Management von Stress oder allgemeines Wohlbefinden sein. Zusätzlich können über die Anwendung von Entspannungsübungen wie Meditation, Yoga und Autogenem Training, … Blutdruck, Hautleitfähigkeit und andere Parameter beeinflusst werden. Der Erfolg wird hier durch die Messung und Rückmeldung unmittelbar sichtbar, wodurch auch diese Techniken noch effektiver werden.

Mit einiger Übung lassen sich über Biofeedback, im Sinne von gesetzten Trainingszielen, erstaunliche Ergebnisse erzielen. Auswirkungen des eigenen Verhaltens auf bestimmte Körperfunktionen und Vitalwerte werden unmittelbar erkennbar, sie werden mit Erfolg oder Misserfolg verbunden und somit führt dies zu einem psychologischen Lerneffekt.

Möglichkeiten mit Biofeedback

Nichtklinische Anwendungen

 

 

Für den gesunden Anwender bietet Biofeedback ein großes Potential an Möglichkeiten, Einfluss auf sein vegetatives Nervensystem zu nehmen, z.B. um Auswirkungen von Stress und Anspannung zu verringern.

Dabei sind jedoch nicht nur Spitzensportler oder Menschen angesprochen, die beruflich bedingt eine hohe geistige Leistungsfähigkeit erbringen müssen, sondern auch alle anderen Menschen vom Kindesalter bis ins Greisenalter. Das Ziel von Biofeedback besteht darin, bestimmte Körperfunktionen, welche vegetativ & unbewusst reguliert werden, zu beeinflussen. Diese unterliegen normalerweise nicht dem Willen direkt, so können Sie kaum auf Kommando Ihre Temperatur oder Ihren Herzschlag erhöhen. Mittels Biofeedback können Sie jedoch genau dies erlernen, einen (vor)bewussten Einfluss auf Ihren Körper zu nehmen. Grundprinzip dabei ist die operante Konditionierung.

Sie führen dazu ein klassisches Biofeedback-Training durch. Dabei ist es zum Beispiel möglich, die Hautleitfähigkeit oder die Hauttemperatur zu beeinflussen, wenn diese mit einem entsprechenden Sensor gemessen werden und Ihrem Bewusstsein in Echtzeit rückgemeldet werden.

Diese Sensoren messen Ihre Werte in Echtzeit und mittels einer beiliegenden App & Ihrem Smartphone/Tablet lernen Sie, welche Veränderungen positiv (weniger schwitzige und dafür wärmere Hände) und negativ (mehr Schweiß, kältere Hände) sind. Dies passiert permanent und in kleinen Schritten. Auch minimale Veränderungen werden registriert und konditioniert. Mit regelmäßiger Übung kann man mittels Biofeedback Stress und Anspannung reduzieren und einfacher entspannen lernen. Lernpsychologisch bedeutet das ein direktes Erfolgserlebnis, wenn sich die Körperfunktionen verhalten wie gewünscht. Dazu stellt es einen direkten Ansporn zur Korrektur dar, wenn die gewünschten Werte nicht erzielt werden.

Ein Training der Herzratenvariabilität (Englisch „heart rate variability“ = HRV) ist ebenfalls sehr wirksam zum Stressabbau, zur Förderung der Stressresistenz und des allgemeinen Wohlbefindens. Es geht dabei im Wesentlichen um eine Steigerung der Flexibilität im Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus, den zentralen Regulatoren von Erregung und Dämpfung des Herzens.

 

 

Anwendungsbereiche zur Verbesserung kognitiver Fähigkeiten sind unter anderem:

 

  • Steigerung der Entspannungsfähigkeit
  • Kontrolle von Entspannungstechniken
  • Verkürzung von Erholungszeiten
  • Training von Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Meditation
  • Stress, Stressfolgen, Stressreduktion
  • verbesserte Schlafqualität
  • Verbesserung der Körperwahrnehmung

 

 


Klinische Anwendungen

 

Unter Biofeedback verstehen wir eine Vielzahl von Verfahrensweisen, die sich zu psychoedukativen Trainingszwecken flexibel und nützlich in ein übergeordnetes Konzept integrieren lassen.

Die Effektivität und Akzeptanz von Biofeedback-Methoden sind durch eine Fülle von Studien dokumentiert. Die permanente Regulierung einer Vielzahl von Körperfunktionen und Funktionsparametern läuft unbewusst ab und wird vegetativ gesteuert. Keines unserer Sinnesorgane kann die vegetativ eingestellten Parameter wie Blutdruck, Hautwiderstand und andere direkt messen oder uns ein Feedback darüber geben, ob sich die Werte im Normbereich bewegen. Wir erfahren nicht, ob unsererseits Handlungsbedarf besteht, auf bestimmte Werte Einfluss zu nehmen.

Das erste Ziel des Trainings besteht deshalb darin, bestimmte Körperparameter bewusst zu machen. Sie werden über Grafiken visualisiert oder über Töne akustisch wahrnehmbar und direkt erfahrbar gemacht. An dieser Stelle kommen Biofeedback Geräte als ein Hilfsmittel ins Spiel.

 

 

In folgenden klinischen Bereichen wird u.a. Biofeedback unterstützend eingesetzt:

  • chronische Rückenschmerzen
  • Kopfschmerz vom Spannungstyp und Migräne
  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) und andere Herz-Kreislauf-Probleme
  • essenzielle Hypertonie
  • Asthma bronchiale
  • somatoforme Störungen
  • Angststörungen, Zwangsstörungen
  • Tics, Tourette-Syndrom und andere psychische Erkrankungen
  • chronischer Tinnitus
  • Inkontinenz und Obstipation
  • Lähmungen und andere neurologische Erkrankungen
  • Schlafstörungen
  • posttraumatische Belastungsstörungen
  • Fibromyalgie
  • Ttmporomandibuläre Störungen und Gesichtsschmerz
  • Epilepsie

Die Liste der Bereiche, die mit der Biofeedback behandelt werden können, ist bei Weitem nicht vollständig und ließe sich nahezu beliebig erweitern.

 


Wie hilft Biofeedback dabei, Migräne zu lindern?

 

Die Auslöser von Migräne-Attacken sind vielfältig und unterschiedlich und nicht alle im Einzelnen bekannt. Häufig beobachtete Trigger für einen akuten Migräneanfall sind allerdings besondere Stresssituationen im privaten oder beruflichen Umfeld, Wetterwechsel, Veränderungen des Schlaf-Wach-Rhythmus (Schichtwechsel), Hormonschwankungen, Reizüberflutung und Nahrungs- oder Genussmittel.

Ein Biofeedback-Training zur Linderung der Migräne kann nicht alle individuellen Aspekte abdecken, sondern konzentriert sich weitestgehend auf Stressbewältigung. Dafür stehen unterschiedliche Biofeedback-Verfahren zur Verfügung wie ein Handerwärmungstraining oder das sogenannte Blutvolumenpuls-Biofeedback. Bei festgestellten, ungewöhnlichen Muskelpotenzialen im Kopfbereich kommt auch das EMG-Biofeedback zum Einsatz, mit dem die elektrischen Potenziale bestimmter Muskeln bzw. deren motorischer Nerven gemessen werden.

Über die verschiedenen Biofeedback-Trainingsvarianten kann über eine verbesserte Stressbewältigung die Verminderung von Stresssymptomen wie auch ein zügigerer Abbau von Stresshormonen erreicht werden, sodass bestenfalls Biofeedback bei Migräne bewirkt, dass ein Anfall gänzlich ausbleibt oder zumindest abgeschwächt wird.

Übrigens: Ein hochpräzises und modernes Therapiegerät, das sich die Technik des Biofeedbacks zunutze macht, ist der HandTutor™, den wir seit Herbst 2018 in unserer Praxis für Ergotherapie verwenden. Der HandTutor™ eignet sich hervorragend für das Training von Bewegungsabläufen der Hand und wird bei Patienten eingesetzt, die an Einschränkungen der Beweglichkeit leiden z.B. aufgrund von Schlaganfall, Multipler Sklerose, Muskelatrophie, Morbus Parkinson u.ä.

n folgenden Bereichen wird u.a. Neurofeedback unterstützend eingesetzt:

  • Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
  • Epilepsie
  • Tinnitus
  • Autismus
  • Schlaganfall
  • Suchtkrankheiten (z.B. Alkoholismus)
  • Tic-Störungen, Tourette-Syndrom
  • Angststörungen
  • Depression
  • Migräne
  • Stimmungsschwankungen
  • Schlafstörungen

 

 

Anwendungsbereiche zur Verbesserung kognitiver und sensitiver Fähigkeiten in der Ergotherapie:

  • Steigerung der Entspannungsfähigkeit
  • Erhöhung der Stresstoleranz
  • Training von Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Kontrolle von Entspannungstechniken
  • Erhöhung der Aufnahmefähigkeit
  • Meditation